Gasanbieter-Wechsel

Das muss man wissen

Wie der Strommarkt ist auch der Gasmarkt in Deutschland seit einigen Jahren für den Wettbewerb freigegeben.Verbraucher profitieren von dem Preisdruck und können inzwischen unter mehr als 700 Gasanbietern den passenden auswählen. Durchschnittlich kommen etwa 40 Versorger auf jede Region, in Ballungsgebieten und Großstädten sogar noch mehr. Ein Gasanbieter-Wechsel lohnt sich in den meisten Fällen.

Gasverbrauch richtig einschätzen

Der Gasverbrauch in privaten Haushalten ist von vielen Faktoren abhängig und lässt sich nicht so einfach abschätzen, wie der Stromverbrauch. Denn nicht nur die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen spielt eine große Rolle, sondern auch die Größe der Wohnung oder des Hauses, das Winter-Wetter, die Qualität der Fenster und der Isolierung oder auch Lüftungs- und Heizgewohnheiten. Wer seinen Gasanbieter wechseln möchte und dafür den Verbrauch abschätzen muss, bildet deshalb am besten den Durchschnitt der Verbrauchswerte der Vorjahre. Hat man keine Abrechnungen zur Hand, helfen diese Vergleichswerte:

Übersicht jährlicher Gasverbrauch in kWh nach Haushaltsgröße

Gasrechnung verstehen

Spätestens bei dem Gasanbieter-Wechsel lohnt sich ein genauer Blick auf die Rechnung, die deutlich komplexer als die Stromrechnung daher kommt. Das Gas auf der Abrechnung wird in zwei verschiedenen Zuständen beschrieben und kann abhängig vom Versorger entweder in Kubikmetern oder Kilowattstunden abgerechnet werden. Diese Begriffe helfen, die Gasrechnung zu verstehen.

kWh vs. Kubikmeter

Die Bezeichung des Gasverbrauches ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Viele Gasanbieter nutzen, wie auch die Stromversorger, die Kilowattstunde (kWh) als Maß, andere hingegen verwenden Kubikmeter (m³) auf der Rechnung. Auf dem Gaszähler, den man regelmäßig ablesen sollte, spätestens aber beim Gasanbieter-Wechsel, wird die Nutzung ebenfalls in Kubikmetern angegeben. Auf dem Gaszähler wird hingegen der Verbrauch in Kilowattstunden angegeben. So lassen sich Kilowattstunde in Kubikmeter umrechnen
kWh = m3 x Brennwert x Zustandszahl

Normzustand

Der Betriebszustand wird mit Hilfe der Zustandszahl in den Normzustand umgerechnet. Die Abrechnung des Gases erfolgt auf Grundlage des Normzustandes, da so äußere Umstände, wie Temperatur oder Druck bzw. Höhenlage herausgerechnet werden und der Wert somit vergleichbar ist.

Brennwert

Der Brennwert ist je nach der Zusammensetzung des Gases verschieden und bezeichnet die Menge an Energie, die bei der Verbrennung freigesetzt wird.

Zustandszahl (z-Zahl)

Die Zustandszahl ist der Umrechnungsfaktor, um den Betriebszustand in den Normzustand umzurechnen.

Betriebszustand

Der Zustand von Gas variiert je nach Temperatur und Druck. Dieser Zustand im Zähler wird als Betriebszustand bezeichnet.

Gasanbieter-Wechsel-Glossar

H-Gas und L-Gas

Deutsche Haushalte werden mit zwei verschiedenen Sorten von Gas beliefert. Der Unterschied liegt nicht etwa in der Nutzung im Haushalt, sondern in der Zusammensetzung und in der Herkunft der Gas-Arten. H-Gas hat in der Regel einen höheren Methangehalt und wird für Deutschland vorwiegend in Norwegen, Russland und Großbritannien gewonnen. L-Gas, üblicherweise etwas günstiger als H-Gas, hat einen geringeren Methan-Gehalt und kommt hauptsächlich aus Deutschland und den Niederlanden.

Ökogas

Kaum ein Gasanbieter-Wechsel, ohne dass Verbraucher nicht auf die nachhaltigere Möglichkeit der Gasversorgung aufmerksam gemacht werden. Im Gegensatz zu Stromtarifen sagt die Bezeichnung “Ökogas” aber noch nicht viel über die eigentliche Herkunft oder die Zusammensetzung der Energie aus. Bei “Ökogas” handelt es sich um Tarife, die Klimaschutz-Projekte unterstützen und damit einen Ausgleich zu dem erzeugten CO2 leisten.

Erdgasumstellung

Seit 2015 wird die Gasversorgung in Deutschland kontinuierlich auf das wertigere H-Gas umgestellt. In bis zu vier Millionen Haushalten in Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Bremen ist eine Prüfung und ggf. ein Umbau der Heizungsanlagen erforderlich. Insgesamt betrifft die kostenfreie Umstellung ungefähr 30 Prozent aller mit Erdgas betriebenen Geräte. Auf die Heizkosten hat die Umstellungen keinen Einfluss.

Biogas

Je nach Tarif macht Biogas einen gewissen Anteil von Ökogas aus. Hier geht es tatsächlich um die Herkunft und die Erzeugung des Gases. Dieses kann auf verschiedene Arten hergestellt werden, Ursprung der Energie ist dabei immer die Vergärung von Biomasse.

Der Gaspreis

Der Anteil staatlich veranlasster Preisbestandteile ist bei Gas zwar nicht ganz so hoch wie bei Strom, macht aber immer noch knapp die Hälfte des Gesamtpreises aus. Der Anteil, der auf die Erzeugung und den Vertrieb des Gases fällt, wird als Wettbewerbsanteil bezeichnet und kann durch einen Gasanbieter-Wechsel stark reduziert werden.

Zusammensetzung des Gaspreises

Faktoren zur Zusammensetzung des Gaspreises

Netznutzungsentgelte

Auf die Nutzung der Gasnetze erheben die Netzbetreiber staatlich regulierte Gebühr,
die an den Verbraucher weitergereicht wird.
Die Höhe der Gebühr ist nicht abhängig von der Länge der genutzten Leitung. Im Jahr 2016 entfiel mehr als ein Fünftel des Gaspreises auf Netznutzungsentgelte.

Konzessionsabgabe

Um öffentlich Verkehrswege nutzen zu dürfen, zahlen Strom- und Gasnetzbetreiber eine Konzessionsabgabe an die Kommunen.
Diese ist von Region zu Region verschieden.

Gas- und Umsatzsteuer

Auf jede Kilowattstunde wird eine Gassteuer von 0.55 Cent an Haushaltskunden erhoben. Wie auch auf Strom wird auf Gas eine Mehrwertsteuer, bzw. Umsatzsteuer erhoben. Da beides nicht dem ermäßigten Steuersatz unterliegt, zahlen Verbraucher auf jede Kilowattstunde 19 Prozent Umsatzsteuer. Insgesamt entfielen 2016 rund 24 Prozent der Stromkosten auf Steuern.

Erzeugung & Vertrieb

Die Kosten für Erzeugung, Import und Vertrieb machen immer noch den größten Posten in der Zusammensetzung des Gaspreises aus. Dieser “Wettbewerbsanteil” wird von den Versorgern selbst festgelegt und unterliegt somit dem Preisdruck. Mit einem Gasanbieter-Wechsel lässt sich dieser Preisbestandteil enorm reduzieren.

Das sollte man beim Gasanbieter-Wechsel beachten

Die Rolle des Vermieters

Grundsätzlich kann jeder Mieter den Gasanbieter wechseln, wenn die Versorgung nicht zentral vom Vermieter geregelt wird. Das ist der Fall, wenn der Mieter über keinen eigenen Gaszähler verfügt und die Kosten für das Gas mit den Nebenkosten abgerechnet werden. Läuft der Vertrag über diesen, hat der Mieter wenig rechtliche Möglichkeiten des Gasanbieter-Wechsels. Wenn die durch den teuren Gasanbieter entstehenden Nebenkosten aber unverhältnismäßig hoch sind, greift der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit ( § 556 Abs. 3 BGB): Das bedeutet, dass die entstandenen Kosten gerechtfertigt, erforderlich und angemessen sein müssen.

Im Zweifel übernimmt der Grundversorger

Den Gasanbieter-Wechsel merkt der Verbraucher in der Regel nur auf der Rechnung. Zu einem Ausfall der Gasversorgung kann es nicht kommen, da der Grundversorger immer einspringt.